• Datenschutz

Datenlöschen in der Cloud: Was wirklich nach dem Löschen passiert

Wer seine Daten aus einem Online-Speicherdienst löschen möchte, muss scheinbar nur den richtigen Browser-Knopf drücken. Doch sind die Daten dann sofort gelöscht? Google hat nun das Löschverfahren für die Google Cloud beschrieben.

Cloud-Dienste und der Datenschutz

Zwei von drei Unternehmen in Deutschland nutzen bereits Cloud Computing, also IT-Dienste wie Speicherplatz, Rechenleistung und Anwendungen aus dem Internet. Wie der Cloud Monitor 2018 des Digitalverbands Bitkom ergab, sind die Unternehmen bei der Wahl des Cloud-Dienstes zu Recht darauf bedacht, dass sie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einhalten.

Die DSGVO fordert unter anderem, dass personenbezogene Daten von Kunden unter bestimmten Voraussetzungen unverzüglich zu löschen sind. Das gilt zum Beispiel dann, wenn die personenbezogenen Daten für die Zwecke, für die sie erhoben oder auf sonstige Weise verarbeitet wurden, nicht mehr notwendig sind und keine Aufbewahrungspflichten etwa steuerlicher Art bestehen.

Die Löschpflicht betrifft nicht nur das interne Netzwerk und die Computer, die Ihr Unternehmen selbst betreibt, sondern auch die personenbezogenen Daten, die in einer Cloud gespeichert sind. Doch wie lassen sich eigentlich die Daten aus einer Cloud löschen?

Löschen ist nicht nur ein Klick

Auf den ersten Blick ist das Löschen von Daten auf dem eigenen Rechner dem Löschen in der Cloud sehr ähnlich. Man sucht im Programmmenü den Löschbefehl und klickt darauf. Doch weder auf dem eigenen Computer noch in der Cloud bedeutet der Befehl „Löschen“, dass die Daten wirklich umgehend gelöscht sind. Bei einem Windows-Rechner landen die Daten in aller Regel im Papierkorb des Computers. Und von dort könnte man sie ohne größeren Aufwand wiederherstellen.

Bei einer Cloud ist dies nicht anders: Löschen bedeutet nicht, dass die Daten sofort und endgültig aus dem Cloud-Speicher verschwunden sind. Denn wie beim PC gibt es auch hier die Option, die Daten wiederherzustellen. Wie geht dann aber das „richtige“ Löschen? Google hat das genaue Verfahren für die Google Cloud Plattform (GCP) ausführlich beschrieben.

Endgültiges Löschen in der Cloud kann Monate dauern

Ohne jeden Einzelschritt zu betrachten, lässt sich sagen, dass bei Google – und ebenso bei vielen anderen Cloud-Anbietern – das Löschen nur Schritt für Schritt geht. Entsprechend lange dauert es. So befinden sich die Cloud-Daten aus Gründen der Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit bei Google nicht nur auf einem Cloud-Server, sondern auf mehreren. Bis der Löschauftrag für bestimmte Cloud-Daten wirklich alle Speicherorte erreicht hat und dort umgesetzt wurde, können zwei Monate vergehen, so Google. Da sich die Daten dann auch noch in Backups befinden können, dauert das Löschen insgesamt bis zu sechs Monate. Das zeigt, dass Daten auch in der Cloud nicht wirklich sofort gelöscht sind.

Wichtig: Sperren der Daten

Wichtig ist es deshalb, dass die Daten ab dem Moment des Löschauftrags gesperrt sind, also nicht mehr genutzt werden können. Laut Google wird dies unter anderem durch eine Verschlüsselung der zu löschenden Daten erreicht. Wie genau das Löschen funktioniert und wie lange es dauert, sollte man also seinen Cloud-Anbieter fragen.

Unternehmen sollten Cloud-Dienste also nur nutzen, wenn auch das Löschverfahren den Datenschutzvorgaben entspricht. Im Idealfall prüft und zertifiziert dies eine unabhängige Stelle. Die Google Cloud zum Beispiel hat, wie mehrere andere Cloud-Anbieter auch, vom BSI, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das sogenannte C5-Testat erhalten. Dabei wird auch das Löschverfahren überprüft. Trotzdem sollten Unternehmen immer das jeweilige Datenschutzkonzept hinterfragen.

Wissen Sie, wie Daten aus einer Cloud gelöscht werden?

Frage: Drückt man den Befehl „Löschen“ in der Cloud-Applikation, sind die Daten aus der Cloud verschwunden. Stimmt das?

  1. Nein, der Löschvorgang erfordert viele Schritte und dauert lange.
  2. Ja, es könnte aber noch Kopien auf dem Endgerät geben.

Lösung: Die Antwort 1 ist richtig, die Antwort 2 aber teilweise auch. Cloud-Daten sind nach dem Löschauftrag nicht sofort gelöscht. Es gibt viele Datenkopien auf verschiedenen Cloud-Servern und meistens auch im Backup des Cloud-Dienstes. Antwort 2 ist insofern richtig, als es auch Datenkopien auf dem Endgerät und im Firmennetzwerk geben kann. Das Datenlöschen ist also immer ein komplexer Prozess, bei dem Cloud-Nutzer viele Speicherorte berücksichtigen müssen.

Frage: Können Daten nicht sofort gelöscht werden, dürfen sie weiter verarbeitet werden. Stimmt das?

  1. Ja, was nicht gelöscht ist, lässt sich weiter nutzen. Die Verarbeitung endet dann mit dem Löschen.
  2. Nein, wenn eine Löschpflicht besteht, das Löschen aber dauert, müssen die Daten gesperrt werden.

Lösung: Hier ist die Antwort 2 richtig. Sobald die Löschverpflichtung eintritt, dürfen Unternehmen die Daten nicht mehr verwenden. Die Daten müssen gegen eine weitere Nutzung geschützt, also gesperrt werden, zum Beispiel durch Verschlüsselung. Es gibt Ausnahmen von der Löschpflicht, etwa wenn die Verarbeitung erforderlich ist, um das Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben. Details finden sich in Artikel 17 der DSGVO.